LaVita & Goldener Windbeutel – fachlich eingeordnet

Meine fachliche Einordnung · 23. Juli 2026

100-Euro-Saft oder sinnvolle Ergänzung?

LaVita hat den „Goldenen Windbeutel“ erhalten. Muss ich meine Empfehlung jetzt zurücknehmen? Meine ehrliche Antwort: Nein – aber ich muss sie sauber begründen.

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Was ist überhaupt passiert?

foodwatch hat LaVita 2026 mit dem „Goldenen Windbeutel“ ausgezeichnet. Mehr als 66.000 Menschen nahmen an der offenen Online-Abstimmung teil; rund 39 Prozent stimmten für LaVita. Kritisiert wurden unter anderem die Vermarktung als gesundheitliche „Basis“, der hohe Preis, der von foodwatch angeführte Anteil an Fruchtsaftkonzentrat und die Dosierung zugesetzter Vitamine. 

Das ist unangenehm für ein Unternehmen – und selbstverständlich auch für Fachkräfte, die das Produkt empfehlen. Wegducken wäre trotzdem die falsche Reaktion. Entscheidend ist nicht, wer die lautere Schlagzeile hat, sondern welche Aussagen fachlich tragen.

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Was beweist die Abstimmung – und was nicht?

Sie beweist, dass die Kritik bei vielen Teilnehmenden angekommen ist. Mehr aber auch nicht. Abgestimmt wurde freiwillig online über fünf zuvor von foodwatch ausgewählte Produkte. Das ist methodisch eine Selbstselektion und keine repräsentative Bevölkerungsbefragung. 

Ein Kampagnenpreis ist ein Anlass zur Prüfung – aber noch keine vollständige fachliche Bewertung.

Das zeigt der Preis Das zeigt er nicht
Viele Teilnehmende empfinden die Werbung als problematisch. Dass die deutsche Bevölkerung mehrheitlich genauso urteilt.
Gesundheitswerbung verdient eine kritische Prüfung. Dass LaVita behördlich als gefährlich bewertet wurde.
Die öffentliche Kommunikation ist angreifbar. Dass das Produkt grundsätzlich wirkungslos ist.

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Welche Kritik finde ich fachlich berechtigt?

Meine Grundhaltung ist eindeutig: Food first. Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkornprodukte und andere Lebensmittel liefern nicht nur einzelne Vitamine. Sie liefern Ballaststoffe, Struktur, Volumen, Geschmackserfahrungen und eine Vielfalt bioaktiver Substanzen. Das passt in keine Flasche. Die DGE betont ebenfalls, dass ungünstiges Ernährungsverhalten nicht einfach mit Vitaminpräparaten ausgeglichen werden kann. 7

Deshalb sehe ich Aussagen wie „die tägliche Basis unserer Gesundheit“ kritisch. Gesundheit entsteht nicht durch ein einzelnes Produkt, sondern durch das Zusammenspiel von Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stressregulation, medizinischer Versorgung und Lebensumständen. LaVita kann ergänzen – es kann diese Basis nicht ersetzen. 

Mein liebevoller Stups

Eine Flasche darf keine Ausrede werden.

Wer Gemüse und Obst dauerhaft kaum isst, braucht nicht nur Mikronährstoffe, sondern Unterstützung dabei, warum die Umsetzung schwerfällt – und wie sie Schritt für Schritt besser gelingen kann.

Und die Dosierung?

Auch sie sollte nicht pauschal als „optimal für jeden“ dargestellt werden. Die aktuelle Nährwerttabelle nennt für zweimal 10 ml zum Beispiel 2,5 mg Vitamin B6. Der vorsorgliche BfR-Höchstmengenvorschlag für ein Nahrungsergänzungsmittel liegt bei 0,9 mg pro Tagesverzehrempfehlung für Personen ab 15 Jahren. 

Wichtig: Dieser BfR-Wert ist kein gesetzlicher Grenzwert und auch nicht identisch mit der toxikologischen Obergrenze der gesamten täglichen Zufuhr. Eine Überschreitung bedeutet daher nicht automatisch „gefährlich“. Sie ist aber ein guter Grund, Dosierung, weitere Präparate und die individuelle Situation nicht gedankenlos zu übergehen. 

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Sind es wirklich „100 Euro pro Liter Saft“?

Die Rechnung ist nicht falsch: 500 ml kosten laut Hersteller regulär 50 Euro. Damit kostet ein Liter Konzentrat rechnerisch 100 Euro. 5

Aber sie ist bewusst maximal plakativ.

LaVita wird nicht wie Orangensaft literweise getrunken, sondern portionsweise verdünnt. Eine Portion besteht aus 10 ml Konzentrat und 50 bis 100 ml Wasser. Eine Flasche enthält 50 Portionen. Je nach Verdünnung entstehen damit etwa 3 bis 5,5 Liter Fertiggetränk. Bei der häufig verwendeten Mischung aus 10 ml Konzentrat und 90 ml Wasser sind es 5 Liter.

Beides ist also wahr: Der Liter Konzentrat kostet 100 Euro, eine Portion einen Euro. Welche Zahl man in die Überschrift setzt, verändert die Wirkung. Der Vergleich mit Orangensaft wäre trotzdem schief – das eine ist ein Getränk, das andere ein dosiertes Nahrungsergänzungsmittel. Entscheidend ist nicht die dramatischste Bezugsgröße, sondern ob die Ergänzung im Einzelfall sinnvoll ist.

 

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Was ist wissenschaftlich belegt?

Die häufig zitierte sechsmonatige Studie untersuchte gesunde Erwachsene und maß Blutwerte vor, während und nach der Einnahme. Bei mehreren untersuchten Mikronährstoffen stiegen Werte an. Das unterstützt die Aussage, dass Bestandteile aufgenommen werden – also die Bioverfügbarkeit. 8

Die Studie belegt jedoch nicht automatisch, dass Menschen dadurch seltener krank werden, mehr Energie haben oder langfristig vor Erkrankungen geschützt sind. Sie hatte keinen unbehandelten Kontrollarm für diese Bioverfügbarkeitsfrage, untersuchte keine klinischen Langzeitendpunkte und schloss unter anderem Menschen mit Diabetes oder schweren Stoffwechselerkrankungen aus. Außerdem weichen die damalige Rezeptur und Dosierungsangaben von der heutigen Nährwerttabelle ab. 

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Warum empfehle ich LaVita trotzdem?

Nicht jedem. Nicht als Reparatur für eine dauerhaft ungünstige Ernährung. Und nicht, weil eine Werbeaussage gut klingt.

In meiner Beratung kann LaVita eine praktische Ergänzung sein, wenn die Lebensmittelauswahl über längere Zeit sehr eingeschränkt ist – zum Beispiel, wenn Menschen die Umsetzung trotz Unterstützung kaum schaffen. Bei Kindern, die Obst und Gemüse nahezu vollständig verweigern, kann eine Ergänzung nach individueller Prüfung eine zeitweise Brücke sein. Sie ersetzt aber weder die weitere Arbeit an Lebensmittelakzeptanz noch eine kinderärztliche Abklärung, wenn Wachstum, Entwicklung oder Versorgung Anlass zur Sorge geben.

Bei einem konkret diagnostizierten Mangel ist häufig ein gezielt dosiertes Einzelpräparat sinnvoller als ein breit zusammengesetztes Produkt. Genau deshalb gehören Ernährung, Beschwerden, Laborwerte, Medikamente und andere Nahrungsergänzungsmittel gemeinsam betrachtet.

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Verdiene ich am Verkauf?

Ja. Und genau das gehört offen auf den Tisch.

Ich erhalte als Vertriebspartnerin eine Händlermarge. Einen Teil meines Rabatts gebe ich weiter: Statt der derzeitigen UVP von 50 Euro verkaufe ich die 500-ml-Flasche für 45 Euro. Das entspricht 90 Cent pro 10-ml-Portion. Preise können sich ändern; maßgeblich ist der Preis zum Kaufzeitpunkt.

Dieses wirtschaftliche Interesse ändert nichts an meiner fachlichen Verantwortung. Ich bespreche ebenso, was über Lebensmittel erreichbar ist, wann ein gezieltes Präparat besser passt und wann überhaupt keine Ergänzung notwendig ist.

Mein Fazit

LaVita ist weder Wundermittel noch automatisch „Werbelüge“.

foodwatch trifft einen wichtigen Punkt: Gesundheit darf nicht mit größeren Versprechen verkauft werden, als die Daten hergeben. Die plakative Preiszeile und eine nicht repräsentative Online-Abstimmung sind umgekehrt aber auch keine vollständige fachliche Bewertung.

Food first. Nahrungsergänzung bleibt Ergänzung – und wird dann sinnvoll, wenn sie zum Menschen passt, transparent beraten und regelmäßig überprüft wird.

 

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Alle verwendeten Quellen

Ich habe für diesen Artikel Herstellerangaben, die foodwatch-Kampagne, Behörden- und Fachgesellschaftsempfehlungen sowie die Originalstudie herangezogen. 

 

  1. foodwatch: LaVita gewinnt den Goldenen Windbeutel 2026 ↗

    Ergebnis, Abstimmungsrahmen und Kritikpunkte der Kampagne

  2. LaVita: Produktdarstellung und Werbeaussagen ↗

    Selbstdarstellung, Zusammensetzung und Aussagen zur täglichen Versorgung

  3. LaVita: FAQ zu Dosierung und Zubereitung ↗

    Portionsgröße, Verdünnung sowie Empfehlungen für Erwachsene und Kinder

  4. LaVita: aktuelle Nährwerttabelle ↗

    Mengenangaben für Vitamine, Mineralstoffe und weitere Inhaltsstoffe

  5. LaVita: Preis und Ergiebigkeit ↗

    UVP von 50 Euro für 500 ml und 50 Portionen pro Flasche

  6. BfR: Höchstmengenvorschlag für Vitamin B6 (2024) ↗

    Risikobewertung und Einordnung der vorgeschlagenen 0,9 mg pro Tagesdosis eines NEM

  7. DGE: Was bringen Nahrungsergänzungsmittel? ↗

    Einordnung zu ausgewogener Ernährung, Nutzen und Risiken hoher Zufuhrmengen

  8. Muss, Mosgöller & Endler (2015): Bioverfügbarkeitsstudie ↗

    Originalpublikation zu Blutwerten gesunder Erwachsener nach sechsmonatiger Einnahme